Bildungssysteme

Muss Schule mehr als Wissensbildung sein?

Weiterentwicklung in Bildungssystemen

Wo fangen wir an, wenn nicht bei Kindern und Jugendlichen - jetzt? Die Rahmenbedingungen, unter denen Kinder und Jugendliche heute aufwachsen, haben sich stark verändert. Familien funktionieren nicht mehr wie vor 30 oder 50 Jahren.

In der Einleitung zum 12. Kinder- und Jugendbericht des BMFSFJ* ist zu lesen: "Die Kennzeichnung der heutigen Gesellschaft als "Multioptionsgesellschaft" kann ebenso als Gewinn wie als Problem umschrieben werden. Mit der zunehmenden Vielfalt von Optionen, der Enthierarchisierung von Generationenbeziehungen, der Überwindung von Rigidität in Erziehungsstilen und der Demokratisierung von Familienverhältnissen - Familienforscher sprechen von einem Wechsel "vom Befehls- zum Verhandlungshaushalt" - geht auch ein Verlust an Normierung und Verbindlichkeit sowie einer Einheitlichkeit von Lebensstilen einher. Eine Gesellschaft, die sich durch Pluralität und eine hohe Bedeutung der Autonomie des Einzelnen auszeichnet, nimmt notgedrungen in Erziehungsfragen den Verlust an Eindeutigkeit in Kauf."

Wenn infolge der damit einhergehenden Unübersichtlichkeit Erziehung eher vermieden und durch eine bloße Hoffnung auf eine sich von allein entfaltende Form der Selbsterziehung und Selbstregulation ersetzt wird – und nicht durch die Befähigung dazu –, dann fehlen den nachwachsenden Generationen mit großer Wahrscheinlichkeit wichtige Gelegenheiten sozialmoralischer Orientierung und habitueller Sicherheit, die nicht automatisch an anderer Stelle substituiert werden.

Bildung ist genauso wenig wie Betreuung oder Erziehung Selbstzweck.

Es sind jene Dimensionen, mit denen eine Gesellschaft das Aufwachsen der nachkommenden Generation zu regeln und zu
ordnen versucht; das ist die gesellschaftliche Seite von Bildung, Betreuung und Erziehung. Zugleich sind es aber auch jene Dimensionen, mit denen Kinder und Jugendliche in die Lage versetzt werden sollen, ihren eigenen Lebensweg und ihre eigene Lebensführung kompetent zu regeln. Dies setzt voraus, dass sie nicht zu Objekten, sondern zu Co-Subjekten des Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsgeschehens werden; dies ist die subjektbezogene Seite von Bildung, Betreuung und Erziehung. Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsprozesse müssen deshalb so gestaltet werden, dass Kinder und Jugendliche zu aktiv Beteiligten werden, die sich das Angebotene aneignen, es also annehmen oder ablehnen können. Dabei wird die Frage
der sozialen Anerkennung, der Akzeptanz der eigenen Person für Heranwachsende auf dem Weg des Erwachsenwerdens zu einer wichtigen Randbedingung. Damit tragen Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsprozesse erfolgreich zu dem bei, was sie sollen:
Zu einer eigenständigen, kompetenten, sozial verantwortlichen Persönlichkeit.

Viele Kinder können nicht mehr konstruktiv zusammenarbeiten, nicht mehr problemlos aufeinander zu gehen, da ihnen
die sozialen Kompetenzen fehlen. Kindern und Jugendlichen fehlt oft die notwendige Empathie.
Sie haben Kompromissfähigkeit, Hilfsbereitschaft, Kooperationsmöglichkeiten nicht oder nur mangelhaft gelernt. Es fehlt ihnen an Verlässlichkeit, Zielstrebigkeit und der Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Sie haben es nicht gelernt, Unterstützungssysteme in Gruppen aufzubauen und haben unter all diesen Defiziten ein mangelndes Selbstwertgefühl. Sie haben ihren Bewältigungs- und Könnensoptimismus verloren oder haben bereits psychosomatische gesundheitliche Schäden und Mängel.

Auf dieser Grundlage verlieren sie weiterhin die Offenheit für Neues, sie haben die notwendigen positiven Bewältigungserfahrungen nicht mehr. Damit ist auch die Grundlage für jegliches konstruktive Lernen nicht mehr gegeben. Den Kindern fehlt die Erfahrung des entdeckenden und problemlösenden Lernens, das Handeln auf Probe und das Lernen aus Irrtümern. Es fehlt ihnen die Auseinandersetzung mit Herausforderungen, die nur gemeinsam mit anderen bewältigt werden können.

Unterstützend wirkt dabei erfahrungsorientiertes Lernen und Lehren, das auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und der "Systemkonzeption Mensch" beruht. Pädagogen müssen die wissenschafltiche Grundlage dieses Lernens mit Körper, Seele und Geist allerdings selbst kennen, um sie in ihre Lehrkonzepte integrieren zu können. Außerdem brauchen sie für die Anwendung
In- und Outdoorkompetenzen. Wer das Training auf dem Hochseil oder Niederparcours beherrscht oder den gezielten Einsatz erfahrungsorientierter Indoor-Planspiele kennt, hat ein sinnvolles Instrument erschlossen, um Kindern und Jugendlichen die notwendigen Entwicklungen und Resourcen aufzuzeigen und kann sie damit auf einem gelingenden Weg in das Erwachsenenleben wirkungsvoll begleiten.

*BMFSFJ: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

 

 


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