Burn on, Homo sapiens! - Essays über die Menschen

Burn on, Homo sapiens! - Essays über die Menschen

03.01.2014

Rezension von Dr. Paul Paproth

Burn on, Homo sapiens: Spannend und lehrreich

„Blasphemie, Gotteslästerung!“ könnten jene rufen, die glauben, dass Gott den Menschen vor 7000 Jahren in seiner heutigen Form geschaffen hat. Sie stützen sich auf Bibeltexte und leugnen jeden Bezug der „Krone der Schöpfung“ zu tierischen Vorfahren. Lucian Freud, weltberühmter Menschenmaler und Enkel des noch berühmteren Psychoanalytikers Sigmund Freud, war anderer Meinung: Er sagte „Mich interessiert der Mensch als Tier“. Ein ähnliches Bild malt nun in Buchform auf der psychischen Ebene Kilian Mehl. In seinem neuen Buch „Burn on, Homo sapiens“, erklärt der Professor und Arzt für psychosomatische Krankheiten wie viele Menschen leiden, nur weil sie die Gesetze der Evolution missachten.

Aus der Erfahrung seiner langjährigen Klinikpraxis erkennt und beschreibt er heute aktuelle Krankheitsbilder, deren Ursachen und wie sie zu behandeln sind. Er zeigt stets wiederkehrende Einzelschicksale aus den Klinikalltag in denen sich viele Menschen wieder erkennen können. In seinem Buch geht Mehl nicht nur auf das zurzeit gängige Burn-out-Syndrom ein. Er erklärt auch zahlreiche andere Störbilder des menschlichen Alltags; Angst, Kaufsucht, Komasaufen. Doch es sind nicht nur Krankheitssymptome die in dem Buch beschrieben werden, sondern auch Alltagsphänomene wie die Regeln des sozialen Hungers: Klatsch, Tratsch und die Suche nach Glück. In dem 400-Seiten-Werk werden dem Leser auch, in konzentrierter Form, gängige philosophische Betrachtungsweisen menschlichen Verhaltens näher gebracht.

Spannend und lehrreich sind die Schlussfolgerungen Mehls als Antwort auf die Leiden der modernen Gesellschaft. Für ihn ist klar, dass die Menschen aufgrund des schnellen kulturellen Wandels viele Fähigkeiten zur Selbstkompetenz verloren haben. Seiner Meinung nach können diese Kompetenzen auch im Nachhinein noch erworben werden. Bedingung ist allerdings zu erkennen, dass gelingende Veränderungen und neue Kompetenzen allein durch prägende Erfahrungen gewonnen werden können.

Ganz nützlich für die, die gleichmal mit praktischen Übungen an sich selbst arbeiten wollen, findet sich im Anhang ein 35-Punkteprogramm - eine Anleitung zum Selbstmanagement.

Trotz der Vielschichtigkeit des behandelten Themas ist dieses Buch leicht und verständlich zu lesen. Es kann den interessierten Laien, wie auch den psychotherapeutisch arbeitenden Fachpersonen empfohlen werden.

Dr. rer. nat. Paul Paproth, Psychotherapeut

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