56. Lindauer Psychotherapiewochen 2006

01.01.2006

Wie 2005 war die Klinik Wollmarshöhe auch 2006 wieder mit einigen Vorträgen und Seminaren auf den Lindauer Psychotherapiewochen vertreten, insbesondere um neue Aspekte der Psychotherapie vorzustellen.

Evolution, positive Motivation und Lernen - das Konzept der Psychosynergetik
Dr. K. W. Mehl / Dr. D. Hansch

Vor dem Hintergrund eines evolutionistischen Weltbildes versucht Psychosynergetik einen Theorierahmen zur Verfügung zu stellen, in dem die für Selbstmanagement (und Psychotherapie) wichtigen Beziehungen zwischen Denken, Fühlen und Verhalten abgebildet werden können. Ausgehend von der Evolutionspsychologie wurden angeborenen Antriebsmodule dargestellt. Hier ist es u. a. die These der Psychosynergetik, dass die Freude an kohärentem Denken und harmonischen Wahrnehmungen ("mentale Funktionslust") ihre stammesgeschichtliche Wurzel in der Freude an gekonnten Bewegungen hat ("motorische Funktionslust", perfection-reinforcing-mechanism nach K. Lorenz). Auf dieser Grundlage werden Menschen theoretisch darstellbar. Techniken, die positive kognitiv-emotionale Bewältigungserfahrungen fördern, wurde u. a. in Bezug gesetzt zu Lernsituationen im Hochseilgarten und dem Niederparcours. - Lit.: Hansch, D.: Erfolgsfaktor Persönlichkeit - Selbstmanagement mit Psychosynergetik, Springer 2006. Hansch, D.: Evolution und Lebenskunst. Grundlagen der Psychosynergetik. Ein Selbstmanagement-Lehrbuch. 2. Aufl. Vandenhoeck & Ruprecht 2004.

Erfahrungsorientiertes Lernen auf dem Hochseil und Niederparcours in integrativen Therapiekonzepten
Dr. K. W. Mehl

Denkmuster, Affekte, Motivationen und Verhaltensmuster sind die Grundlagen für vielfältige Veränderungs- und Gestaltungsprozesse. Im Berühren, Bewegen und Handeln können wir wahrnehmen was wirklich ist. Im Kurs sollten die TeilnehmerInnen Theorie und Praxis psychophysischer Expositionen kennen lernen. In integrativen psychotherapeutischen Settings stehen hierfür auch erfahrungsorientierte Behandlungsmethoden zur Verfügung. Die Bedeutung und die Möglichkeiten dieses erfahrungsorientierten Lernens innerhalb psychotherapeutischer Konzepte sollten durch konkrete Erfahrungen im Hochseilgarten und Niederparcours der Fachklinik Wollmarshöhe zugänglich gemacht werden.

Motivation - was uns bewegt
Dr. T. Bastian

Motivation ist das "was uns bewegt". Man kann in der Motivation sogar den entscheidenden Unterschied zwischen dem Verhalten lebender Organismen und Ereignissen in der unbelebten Natur erkennen. Die Motivationsmodelle der diversen psychologischen Schulen und Richtungen tragen dieser Bedeutung wenig Rechnung, sind meist sehr abstrakt und wenig differenziert. Wie der Biologe P. Leyhausen vor Jahren meinte, reichen sie kaum hin "um eine Küchenschabe zu betreiben". Das vorrangig theoretisch ausgerichtete Seminar sollte die Voraussetzungen eines elaborierten Motivationsmodell klären, Begriffe abwägen und Systemkomponenten erläutern (z. B. Antrieb, Affekt, Struktur usw.). Zusätzlich sollten einige wichtige Denkansätze vor- und einander gegenüber gestellt werden (z. B. das "Züricher Modell der Motivation" nach N. Bischof). Die Zusammenschau dieser Ansätze und Optionen kann in jedem Fall dabei helfen, die komplexe Funktion des menschlichen "Innenlebens" besser zu verstehen. Die Theorie wurde u. a. auch in Bezug gesetzt zu Motivationen auf dem Hochseil und Niederparcours.

Antrieb, Affekt, Motivation und erlebnisorientiertes Lernen auf dem Hochseil
Dr. T. Bastian / Dr. K. W. Mehl

Moderne Motivationstheorien - z. B. von J.D. Lichtenberg - geben uns ein differenziertes Inventar an die Hand, um die Wirkkräfte des psychischen Geschehens erlassen zu können (ein theoretischer Überblick wurde am Anfang des Kurses gegeben). Über Affekte und Motive zu theoretisieren und sie praktisch zu erfahren, ist freilich zweierlei. In integrativen psychotherapeutischen Settings stehen hierfür auch erfahrungsorientierte Behandlungsmethoden zur Verfügung. Die Bedeutung und die Möglichkeiten dieses erfahrungsorientierten Lernens innerhalb psychotherapeutischer Konzepte sollen durch konkrete Erfahrungen auf dem Hochseilgarten der Fachklinik Wollmarshöhe zugänglich gemacht und in abschließender Gruppenarbeit in den theoretischen Ablauf integriert werden.

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