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Persönliche Meisterschaft und Neurobiologie
Lehren und Lernen aus Sicht der Neurobiologie
Welche Bedeutung haben die Neurowissenschaften eigentlich bei der Entwicklung
von Menschen, bei Lehren und Lernen und der Entstehung persönlicher Meisterschaft?
Die so genannten Neurowissenschaften haben ihre Wurzeln in der Medizin. Mittels
Hirn-Scans ging es darum, hirnfunktionelle Unterschiede zwischen Kranken und
Gesunden deutlich zu machen, um hieraus diagnostische Wege und Erkenntnisse
zu finden.
Die Technik der Bild gebenden Verfahren entwickelte sich so fulminant, dass sie bis heute mit bunten Bildern wertvolle Hinweise zu Aktivitäten und Funktionen im Gehirn, aber auch ein zu Spekulationen und Deutungen reizendes Puzzle des Gehirns liefert. Schnell waren unzählige wissenschaftliche Fakultäten dabei, die oft rätselhafte und unverstandene Steuerzentrale des Menschen zu erkunden oder zu deuten. Vor ihre ursprüngliche Professionsbezeichnung setzten sie dann die Vorsilbe "Neuro-". So entstanden neue Schwerpunkte und Bezeichnungen, von der Neuropsychologie bis zur Neurodidaktik oder -pädagogik. Man darf nicht verhehlen, dass neben vielem Nützlichen auch viel Raum für allerlei Pseudowissenschaftlich-Spektakuläres, aber Unnützliches, entstand. Keinesfalls dürfen wir uns vom heutigen Standpunkt aus der Illusion hingeben, wir wären annähernd so weit, die tatsächliche komplexe Funktionsweise des Gehirns zu verstehen. Allenfalls haben und können wir "Benutzerhinweise" und "Bedienungsanleitungen" erarbeiten.
Was leistet also die Hirnforschung mit heutigem Wissensstand tatsächlich für Lehr- und Lernkonzepte
und die Entwicklung von Menschen?
(Die Bedeutung in der Medizin oder Pharmakologie, aus der sie eigentlich kommt, lassen wir mal außer Acht.)
Sie liefert uns gesichertes Wissen über schon lange bestehende Grundannahmen, über die "Systemkonzeption
Mensch" und die Lern- und Entwicklungsfähigkeit des Menschen. Damit ist es möglich, Lehr- und Lernmethoden
und natürlich auch Therapien gezielter zu entwickeln. Und wie könnte es anders sein? Es zeigt sich, dass es
überwiegend die Methoden eines natürlichen Lernens sind, die wirken, so wie die Evolution es uns vorgegeben hat.
Seit Jahrtausenden lernt der Mensch mit Körper, Seele und Geist, in einem Bindungsgefüge aus
Aufmerksamkeit und Wahrnehmung, Emotion, Kognition und Erfahrung.
Mit diesen Kenntnissen entstanden an der Wollmarshöhe die Methoden der erfahrungsorientierten Therapien und des Erfahrungslernens. Das 2007 mit anderen gegründete Institut für Erfahrungslernen bildet hierzu eine wissenschaftliche kommunikative Plattform, um mit anderen hier weiter anwendbares Wissen und Praxisrelevanz herzustellen und auszutauschen.
Man kann in vielen anderen Bereichen mittlerweile sowohl von den neurobiologisch fundierten Modellen des Erfahrungslernens und vom angewandten Praxiswissen profitieren. So finden zunehmend eine neurobiologisch fundierte, erfahrungsorientierte Therapie und Erfahrungslernen Beachtung in der traditionellen Erlebnispädagogik, in den Schulen oder in der Erwachsenenbildung. Auch vor der noch am Anfang stehenden, neuen Entwicklung der gesellschaftlichen und betrieblichen Gesundheitsvorsorge wird das Erfahrungslernen letztendlich nicht halt machen.

